Selfpublishing oder nicht – Das ist hier die Frage

Für dieses Jahr habe ich mir fest vorgenommen, Dich als Leser (und eventuell auch Autor) mit in meine Welt zu nehmen und diverse Einblicke zu geben. Dabei geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen, sondern auch um harte Fakten.

Ich selbst habe mich im letzten Jahr intensiv mit dem Thema beschäftigt:

Bevor ich mich mit den persönlicheren Aspekten dieser Frage beschäftige, möchte ich Dir einige Fakten vor Augen führen, die Matthias Matting von der Selfpublisherbibel im letzten Jahr innerhalb einer Umfrage von aufgerundet 1000 Selfpublishern erhoben hat.

  • In Deutschland gab es 2014 rund 75.000 Selbstverleger (tagesspiegel.de). Vermutlich hat sich diese Zahl in den letzten 4 Jahren verdoppelt. Wenn nicht sogar verdreifacht.
  • 36 % der befragten Selfpublisher verdienen weniger als 50 € im Monat. 7 % liegen bei einem Verdienst zwischen 1000 und 2000 €. Nur 3 % verdienen über 7500 € pro Monat.
  • 15 % der Befragten gibt weniger als 50 € pro Veröffentlichung aus (dazu später mehr). Immerhin 19 % investieren 100–300 € und ganze 18 % über 1500 €.
  • Die meisten Selfpublisher konzentrieren sich auf E-book und Taschenbuch, generieren aber fast 91 bis 100 % des Umsatzes mit dem digitalen Produkt.
  • Besonders beliebt für die Veröffentlichung ist KDP. Die meisten Selfpublisher nutzen Select und verdienen den größten Teil der Einnahmen mit Amazon.
  • Geringe Kosten und ein hohes Honorar sind bei der Auswahl des Distributors besonders wichtig.

Das sind nur einige interessante Zahlen, die sich aus der Umfrage lesen lassen … und die bereits einen ersten Einblick in die Branche geben. Das Selfpublishing ist – aus eigener Erfahrung gesprochen – ein hartes Geschäft. Man muss sich gegen viele andere Autoren durchsetzen, ist selbst für den Erfolg oder Misserfolg verantwortlich und braucht unter Umständen ein dickes Fell.

Warum also Selfpublishing?

Der ein oder andere wird bereits wissen, dass ich vor meiner ersten selbstständigen Veröffentlichung bei gleich zwei Verlagen Bücher herausgebracht habe. (Hier ein Artikel zu meinem Jahr 2018 als Autorin). Ullstein Forever und Hawkify Books. Beide Verlagshäuser haben eindeutige Vor- und Nachteile, wie das eben immer so ist. Ich war 2017 richtig glücklich, als ich erst den einen Vertrag unterschrieb und dann den nächsten. Die Veröffentlichungen waren ein Abenteuer und eine Reise … und im Nachhinein ein bisschen enttäuschend. Für mich persönlich, weil ich mir „mehr“ erwartet hatte, weil dieses Gefühl fehlte, dass es genau so ist, wie es sein muss.

Natürlich war ich zu der Zeit dieser beiden Veröffentlichungen noch recht unerfahren, was das Marketing und alles andere anging. Ich tat mein Bestes, damit beide Bücher gut laufen und viele Leser erreichen. Genau das wollte ich doch: Das Leser meine Geschichten genauso sehr lieben wie ich.

Ich beendete mein nächstes Buch. Und hätte es sogar bei mindestens einem Verlag unterbringen können, entschied mich aber dagegen. Diesmal wollte ich es wissen und herausfinden, wie das so ist, wenn man das Buch komplett selbst herausbringt. Ich begann also, alles Mögliche an Wissen in mich aufzusaugen und zu lernen. Ich analysierte die großen Selfpublisher des Marktes, machte mir Notizen und probierte aus.

Das Buch wurde ein Bestseller. Bis dato habe ich mit keinem anderen Buch so viel verdient, wie mit Tigerstreifenhimmel.

Allerdings – und das ist wirklich wichtig zu erwähnen – habe ich etliche Stunden an Arbeit investiert und ebenso viel Geld. Zur Verdeutlichung zeige ich euch eine Pro- und Kontra-Liste, die meiner von letztem Jahr ganz ähnlich sieht (plus die Erfahrungen, die ich in der Zwischenzeit sammeln konnte).

Kontra

  • Kosten für ALLES: Das Cover, das Lektorat, das Korrektorat, der Satz, Marketing (Facebook Ads, Giveaways, Blogger-Ex., Post etc.)
  • Du kannst dich nicht mehr nur auf das Schreiben konzentrieren. Du bist selbst verantwortlich dafür, wie viel du letztendlich an deinem Buch verdienst
  • Ohne Wissen läuft nichts

So, wie bereits erwähnt, wollte ich nochmal auf den Punkt Kosten eingehen. In der Umfrage gaben 36 % der befragten Selfpublisher an, weniger als 50 € für ihre Veröffentlichungen auszugeben. Natürlich KANN man das so machen – aber meiner Meinung und Erfahrung nach ist das leider der ganz falsche Weg. Nur weil man weniger Kosten hat, wird der Gewinn nicht automatisch größer. Vor allem dann nicht, wenn die Qualität des Buches die Leser vom Kauf abschreckt.

Versteht mich nicht falsch: Ich nehme auch viel selbst in die Hand und spare, wo es mir möglich ist, aber das traue ich mir nur zu, weil ich entweder das entsprechende Vorwissen habe (Medienkauffrau, vier Jahre Arbeit im Verlagshaus) oder weil ich Leute kenne, die mir dabei aushelfen (und das entsprechende Wissen haben!). Bei Interesse gehe ich in einem separaten Blogpost gerne Mal auf die Kosten einer meiner selbstpublizierten Bücher ein. Mit echten Zahlen.

Was ich eigentlich damit sagen will ist, dass man die Kosten als Selfpublisher nicht unterschätzen sollte. Wer längerfristig etwas von seinen Veröffentlichungen haben will, sollte von Anfang an die richtige Qualität investieren.

Aber genug zu diesem Thema. Kommen wir zum Pro-Teil der Liste.

  • Ich habe selbst in der Hand, was mit meinem Buch passiert. Das heißt: Ich kontrolliere das Marketing, das Aussehen des Buches, den Inhalt, die Zielgruppe, die Hintergrundinformationen bei eventuellen Händlern, welche Blogger das Buch lesen, dass die Rezensionen rechtzeitig da sind und so weiter und so fort (also jede Menge Kram, den man vielleicht am Anfang gar nicht so auf dem Schirm hatte)
  • Alle Einnahmen landen bei mir
  • Ich bestimme, wann das Buch veröffentlicht wird und kann nach meinem eigenen Zeitplan vorgehen
  • Alles, wirklich alles, bis ins kleinste Detail liegt bei mir

Als Selfpublishern werde ich niemals einen Coverentwurf annehmen müssen, der mir nicht gefällt. Ich werde nicht enttäuscht sein, weil das Marketing schlecht ist und wenn doch, liegt es bei mir. Ich muss nicht mit Lektoren zusammenarbeiten, die nicht mit mir kompatibel sind, ich kann mir meine Dienstleister selbst aussuchen.

Wann Selfpublishing nicht das richtige Instrument für Dich ist

Selfpublishing ist bei Gott nicht für jeden Etwas. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Das nötige Kleingeld fehlt, die Motivation für den Veröffentlichungsprozess ist nicht da, man möchte sich lieber auf das Schreiben konzentrieren, ein Verlagsvertrag ist der große Traum.

Wie gesagt, es gibt viele Gründe, und die sind alle recht individuell. Verlage sind, im Allgemeinen gesprochen, einfacher als der Selbstverlag. Natürlich ist da der Bewerbungsprozess und man muss überhaupt erst mal einen Vertrag erhalten, aber danach gibt man praktisch alles ab. Als Verlagsautor schreibt man, man arbeitet das Lektorat ein, korrigiert und der Rest wird vom Verlagsteam übernommen. Sie suchen den Lektor, den Korrektor, den Designer für das Cover. Bei all diesen Dienstleisungen geht der Verlag auch in Vorleistung. Was du selbst zahlen musst, übernimmt hier der Verlag. Da kommen dann noch so kleine Dinge hinzu wie die Gebühr beim VLB, der Druck, die Kosten für die ISBN (falls du als Selfpublisher dein Buch im stationären Handel sehen möchtest, kommen diese Kosten ggf. auch auf dich zu!) … und der Verlag ist schnell bei mehreren tausend Euro, die er für dich und dein Buch ausgegeben hat.

Aber, und das ist der springende Punkt: Du hast den Rücken frei und kannst „einfach nur“ schreiben.

Warum ich Verlagen gegenüber trotzdem offen bin

„Einfach nur“ setze ich in Anführungszeichen, weil man als Verlagsautor auch nie die Garantie hat, dass der Verlag alles für das eigene Buch tut, was er könnte. Das liegt am Marketingbudget, an dem aktuellen Programm oder weiß der Himmel an was.

Jedenfalls hätten meine ersten beiden Buchveröffentlichungen sicher wesentlich besser laufen können, wenn ich gewusst hätte, wie. Als Autor ist man längst nicht mehr nur der Schreiberling, sondern viel mehr ein Tausendsassa, der alle möglichen Fähigkeiten beherrschen muss, um aus dem eigenen Buch den größtmöglichen Erfolg zu machen. Ob nun als Verlagsautor oder Selfpublisher.

Inzwischen habe ich meine Hausaufgaben gemacht und weiß, wie ich meine Bücher bestmöglich unterstütze (Achtung: Das heißt nicht, dass der Autor die gesamte Verlagsarbeit tun sollte oder das den Verlag aus der Pflicht nimmt, eigenes Marketing zu machen). Und sollte ein Verlag mit den richtigen Konditionen daherkommen, bin ich nicht abgeneigt, auch mal wieder das ein oder andere Projekt darüber zu veröffentlichen, immerhin kann auch die Arbeit mit einem Verlag erfüllend und toll sein.

Selfpublishing oder nicht? Das ist hier die Frage

Für mich ist die Antwort eindeutig: JA! Ja, ja, ja und nochmals ja. Die ganze Arbeitsform passt gut zu mir und ich bin gerne mein eigener Chef, hole mich aus kreaTiefs und mache mir Gedanken, um den ganzen Prozess. Dafür nehme ich mir die Zeit, mache anderswo Abstriche und verbringe sehr viel Zeit vor dem Laptop (mein Rücken findet’s nicht cool, aber was soll’s).

Ich setze mich gerne mit dem Markt auseinander, mit den anderen Autoren, baue mir eine Plattform auf, probiere aus und mache immer weiter.

Trotzdem ist jeder Autor anders und was für mich funktioniert, funktioniert für den nächsten vielleicht schon wieder nicht. Wo andere Autoren freudig auf Buchmessen rumhüpfen und fünftausend Leute treffen, finde ich jede Messe super anstrengend, weil ich eben doch introvertiert bin und mir dieses ganze Zeug mit den anderen Menschen nicht so leicht fällt, wie einem anderen Autor womöglich.

Im Fazit bleibt also zu sagen, dass das Selfpublishing aus diversen Gründen definitiv nicht für jeden geeignet ist. Wer sich unsicher ist, sollte sich genau mit seinen Zielen und Möglichkeiten auseinandersetzen. Und nicht zu guter Letzt: dann auch mal den Sprung ins kalte Wasser wagen und es ausprobieren.

Selfpublishing – Ja oder Nein? Wie siehst du das?

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